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Wenn Pollen uns belästigen wollen
Frühling! Denken Sie da auch an lästige Niesanfälle? Sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen, läuft Ihre Nase und tränen Ihre Augen?
Dann leiden Sie mit Sicherheit an einer Pollenallergie. Zu diesem Thema hören und lesen Sie täglich Neues. Wir haben das Wichtigste zum Thema Pollenallergie zusammengefasst.
Dr. Sophie Membrez-Turpin, Apothekerin
2020 wird jeder Zweite an einer Allergie leiden. Laut dem Schweizerischen Zentrum für Allergie, Haut und Asthma «aha!» leidet heute jeder Vierte an einer Allergie. Setzt sich die Entwicklung in derselben Geschwindigkeit wie in den vergangenen 15 Jahren fort, ist 2020 bis 2030 voraussichtlich jeder Zweite Allergiker.
Dies hängt zum Teil mit unseren veränderten Lebensgewohnheiten zusammen, sowohl mit den äusseren Bedingungen (Klima, Umweltverschmutzung usw.) als auch mit unseren direkten Lebensumständen (Mobiliar, Farben und Lacke, veränderte Ernährung).
Mehr Allergiepotenzial
Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeit, die noch nicht vollständig erforscht ist. Auch Vererbung spielt eine Rolle und die Menschen sind heute vermutlich anfälliger. Gleichzeitig sind wir aber auch mehr Allergie auslösenden Substanzen ausgesetzt, denn beispielsweise bestimmte Baumpollen entwickeln durch Kontakt mit Umweltgiften ein stärkeres Allergiepotenzial.
Der Mechanismus der Allergie
Allergien haben einen Zweiphasen-Mechanismus. Beim ersten Kontakt mit dem Allergen, der Sensibilisierung, löst das Allergen (Pollen, Tierhaare, Milben) eine Immunantwort des Organismus gegen diese Substanz aus. Im Verlauf dieser ersten Phase bildet der Körper spezielle Antikörper, die IgE, die genau das betreffende Allergen wiedererkennen. Diese Antikörper setzen sich an den Schleimhautzellen fest, insbesondere an denjenigen der Nase. Bei einem erneuten Kontakt trifft das Allergen auf die Zellen, auf denen sich diese IgE befinden (die Mastzellen), und regt die Freisetzung von Entzündungsfaktoren (Mediatoren) wie zum Beispiel Histamin an. Diese Entzündungsreaktion ist es, welche die typischen Beschwerden verursacht: Sekretfluss, Stechen und Kitzeln, Niesen, zuweilen verbunden mit tränenden Augen und Verlust des Geruchssinns.
Eine Pollenallergie beginnt im Allgemeinen in der Kindheit oder zu Beginn des Erwachsenenalters und kann im Laufe des Lebens wieder zurückgehen. An und für sich ist es keine schwere Erkrankung, doch können Allergien den Organismus sehr belasten.
Was sind saisonale Allergien?
Sobald die ersten warmen Tage kommen, schicken die Bäume unzählige Pollen in die Luft. Diese lösen bei bestimmten Personen, den Allergikern, eine ganze Reihe typischer unangenehmer Symptome aus. Die Pollenallergie kehrt jedes Jahr in der Blüteperiode zurück. Zumeist sind eine oder mehrere genau bestimmbare Pollenarten die Ursache. In der Schweiz reagieren etwa 19% der Bevölkerung auf Pollen. Die häufigsten Allergie auslösenden Pflanzen in der Schweiz sind Gräser (50%), Birke (50%), Beifuss (25%), Hasel (22%) und Erle (18%).
Je nach Jahreszeit befinden sich mehrere Pollenarten in der Luft. Daher ist es zuweilen schwierig herauszufinden, auf welche Pollen eine Person reagiert.
Wie kommt es zur Allergie?
Verschiedene Faktoren können zur Entwicklung der saisonalen Allergie beitragen und ihren Verlauf bestimmen:
- Vererbung:
Allergien bei Säuglingen und Kindern sind stets auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. Ist ein Elternteil Allergiker, liegt die Wahrscheinlichkeit bei ca. 30%, dass auch das Kind eine Allergie entwickelt. Leiden beide Eltern an allergischen Erkrankungen, steigt das Risiko auf 50 bis 70%.
- Umwelt bzw. Umweltverschmutzung:
Kinder, die in den Monaten vor der Pollensaison geboren werden, haben ein erhöhtes Risiko, an einer saisonalen Allergie zu erkranken. Die Umweltverschmutzung trägt ebenfalls zur Entwicklung oder Verschlimmerung allergischer Reaktionen bei.
Allergischen Anfällen vorbeugen
- Nehmen Sie in der Hochsaison des Pollenflugs Nasenspülungen mit einer physiologischen Kochsalzlösung vor, damit die Pollen nicht zu lange mit der Nasenschleimhaut in Kontakt bleiben.
- Entkleiden Sie sich ausserhalb des Schlafzimmers, denn die Pollen haften an der Kleidung.
- Waschen Sie sich abends die Haare.
- Schlafen Sie bei geschlossenen Fenstern.
- Trocknen Sie Ihre Wäsche nicht im Freien.
- Treiben Sie in der Zeit extremen Pollenflugs keinen Sport im Freien.
- Halten Sie sich bei Wind oder nach einem leichten Regen nicht zu lange im Freien auf.
Informationen über die Pollenflugentwicklung und die allergischen Risiken mit Angabe von Pollenart und -belastung in der Atmosphäre finden Sie für die gesamte Schweiz unter: http://prognose.bulletin.ch/prognose_fr.html. Ausserdem können Sie sich über die Website von MeteoSchweiz die Pollenflugprognosen per SMS senden lassen.
Linderung aus der Apotheke
Wenn Ihre Beschwerden in bestimmten Jahreszeiten auftreten, ist das ein Hinweis darauf, dass Sie an einer Pollenallergie leiden. Eine geeignete Behandlung verschafft Erleichterung, da sie den Entzündungsmechanismus hemmt.
Folgende Mittel erhalten Sie rezeptfrei in Ihrer Apotheke:
- Antihistaminika in Tablettenform (oder bei Bindehautentzündung als Augentropfen): Diese Mittel hemmen die Wirkung des Histamins, das der Organismus bei Kontakt mit den Pollen freisetzt. Diese körpereigene Substanz löst die allergischen Reaktionen aus. Die Mittel wirken gegen Niesen, Kitzeln und Stechen der Nase und tränende Augen. Die jüngsten Generationen von Antihistaminika verursachen als Nebenwirkung keine Müdigkeit mehr, wie dies bei ihren Vorgängern der Fall war.
- Lokal anzuwendende Kortikoide hemmen die Entzündungsreaktion; sie lindern die Niesanfälle und wirken schleimhautabschwellend.
- Auch Nasensprays/-tropfen haben eine abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut, bekämpfen aber nicht die Ursache der Obstruktion, die Allergie.
Achten Sie auf den Verlauf der Allergie
Wenn die Symptome über einen langen Zeitraum oder chronisch auftreten, sollten Sie einen Allergologen aufsuchen. Er wird Ursachen und Verlauf Ihrer Allergie untersuchen und Sie über die richtige Vorbeugung beraten. Zudem kann er Hauttests durchführen, um herauszufinden, auf welche Pollen Sie reagieren.
Wenn bei Ihnen beim Ausatmen Pfeifgeräusche auftreten, leiden Sie wahrscheinlich an Asthma. In diesem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen, denn nur er kann Ihnen ein wirksames Mittel gegen Asthmaanfälle verschreiben. Dies ist besonders bei Kleinkindern wichtig, die unbedingt rasche Linderung benötigen (noch immer sterben jedes Jahr Kleinkinder infolge von Asthma).
Allergie und ihre Ursachen: Was stimmt, was stimmt nicht?
- Allergien können durch übermässige Hygiene entstehen - richtig
Zuviel Hygiene kann der Gesundheit schaden. Die Wissenschaftler bezeichnen diesen Ansatz als «hygienistische Theorie»: Kinder, die mit vielen Geschwistern aufwachsen oder in Einrichtungen mit vielen anderen Kindern betreut werden, sind besser gegen Allergierisiken gewappnet. Eine vollkommen keimfreie (aseptische) Umgebung führe dazu, dass das Immunsystem des Kindes mit allergischen und entzündlichen Reaktionen antworte, anstatt seine Immunabwehr zu mobilisieren.
- Ich traue mich nicht, Antiallergika einzunehmen, weil sie müde mache - richtig (in manchen Fällen)
Antihistaminika können Nebenwirkungen verursachen, am bekanntesten ist Schläfrigkeit. Die Antihistaminika der zweiten Generation aber, die in der Apotheke frei verkäuflich sind, verursachen fast gar keine Müdigkeit mehr.
- Die Desensibilisierung ist keine wirklich wirksame Behandlung - falsch
Desensibilisierung ist eine sehr wirksame Massnahme bei wiederkehrender, starker Pollenallergie, die die Person schwer beeinträchtigt. Wenn die Allergie jedoch von zahlreichen Faktoren bedingt wird oder nur geringgradige Beschwerden verursacht, ist eine Desensibilisierung nicht zu empfehlen. Bei dieser Behandlung wird der Organismus Schritt für Schritt an das betreffende Allergen gewöhnt, indem der Patient eine Injektion mit einer steigenden Dosis des Allergens erhält, bis die wirksame Höchstdosis erreicht ist. Dazu muss die betroffene Person sehr motiviert sein, da die Behandlung über einen langen Zeitraum streng zu befolgen ist.
- Mit Homöopathie können Pollenallergien verhindert werden - richtig
Die Homöopathie zeigt bei der Prävention der saisonalen Allergie gute Ergebnisse. Eine homöopathische Prävention muss aber mindestens einen Monat vor Beginn der Allergieperiode begonnen werden. Hier wird die Behandlung individuell auf den Patienten abgestimmt und berücksichtigt die Lokalisation der Symptome (welche Organe sind betroffen), die Modalitäten (was verschlimmert, was bringt Besserung) und die Begleitsymptome.
- Stillen mindert das Allergierisiko des Babys - richtig
Wird ein Säugling mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten ausschliesslich gestillt, kann damit das Allergierisiko gesenkt werden. Dies wird insbesondere dann empfohlen, wenn bereits bei den Eltern Allergien aufgetreten sind. Man geht davon aus, dass ein frühzeitiger Kontakt mit potenziellen Allergenen das Allergie-risiko eines Babys erhöht.
- Wer an einer Pollenallergie leidet, hat ein grösseres Risiko, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln - richtig
Personen mit Pollenallergie sind im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung ebenfalls häufiger von Nahrungsmittelallergien betroffen. Dieses immer häufiger auftretende Phänomen wird als «Kreuzallergie» bezeichnet.
Wenn sich zum Heuschnupfen Asthma gesellt
Eine Pollenallergie darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn bei ungenügender Behandlung findet oft eine Ausdehnung auf die unteren Atemwege statt. Man spricht vom sogenannten «Etagenwechsel». Bei fast der Hälfte der Heuschnupfenpatienten entwickelt sich mit der Zeit Asthma – eine schwerwiegende Atemwegserkrankung mit akuter Atemnot, die auch chronisch werden kann!
Erste Anzeichen für den «Etagenwechsel» mit Asthma sind Husten und Atemnot bei körperlicher Belastung.
Auf Atemwegserkrankungen spezialisierte Apotheken
In der sogenannten medinform AtemwegsApotheke wird auf diese Zeichen geachtet und eine adäquate Therapie vorgeschlagen. Die Kundschaft profitiert ausserdem von der Möglichkeit einer Lungenfunktionsmessung sowie von der Zusammenarbeit der medinform Apotheken im Netzwerk mit Fachärzten. Die Teams der aktuell rund 20 medinform AtemwegsApotheken setzen in der Fortbildung über Jahre einen fachlichen Schwerpunkt bei den Erkrankungen der Atemwege und beraten mit profundem Wissen und grosser Erfahrung.
Liste der medinform AtemwegsApotheken : www.medinform.ch/atem/liste/liste.html
Besonders aggressiv: Die Pollen der Ambrosia-Pflanze
Das beifussblättrige Traubenkraut breitet sich in der Schweiz stark aus. Sie ist eine Pflanze mit besonders allergenen Pollen. Nur wenige Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um bei Allergikern Symptome auszulösen: Rhinitis im August/September, begleitet von laufender Nase, entzündeter Bindehaut, unterschiedlich schweren Beeinträchtigungen der Atemfunktionen (Entzündung der Luftröhre, Husten, zuweilen schweres Asthma), zuweilen treten auch Juckreiz oder Ekzeme auf.
Tritt sie vereinzelt auf, kann sich die Ambrosia-Pflanze nicht so stark entwickeln. So bleibt sie auf Wiesen und Weizenfeldern klein. In Gärten mit grossen offenen Flächen aber kann sie sich rasch ausbreiten und sehr gross werden.
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