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Wenn Augen älter werden

Mit zunehmenden Jahren hat man in vielen Belangen mehr Durchblick. Aber an den Augen liegt das nicht: Ab 40 beginnt die Sehschärfe abzunehmen, die Augen werden trockener, manchmal empfindlicher. Tipps für gesunde Augen in jedem Alter.
Chantal Schlatter, Apothekerin

Dank der guten Lebensumstände und der medizinischen Versorgung beträgt die Lebenserwartung in der Schweiz heute schon über 80 Jahre. Mitte vierzig stehen wir also mitten im Leben und sind vielleicht aktiver denn je. Aber so jung wir uns auch fühlen – in der zweiten Lebenshälfte finden im Körper naturgemäss Prozesse statt, die mit dem Begriff des Alterns umschrieben werden. Auch die Augen verändern sich.

Altersweitsichtigkeit
Zum Beispiel verlieren unsere Augen nach und nach die Fähigkeit, Dinge aus nächster Nähe scharf abzubilden. Das liegt daran, dass die Linse weniger elastisch ist und sich nicht mehr ausreichend krümmen kann, um nahe Details zu betrachten. Ein Kleinkind kann einen Gegenstand scharf sehen, der sich nur sechs Zentimeter von seinen Augen entfernt befindet. Ein Dreissigjähriger benötigt dazu bereits einen Abstand von 15 Zentimetern, und ab 50 Jahren muss sich ein Gegenstand bereits 40 Zentimeter von den Augen entfernt befinden, um ihn scharf zu sehen. Je älter wir werden, desto grösser wird deshalb beim Lesen der Abstand zwischen der Zeitung und unseren Augen. Irgendwann reichen dann auch die längsten Arme nicht mehr, um die Zeitung in der nötigen Distanz zu halten. Ein klares Signal für Altersweitsichtigkeit und ein guter Zeitpunkt für einen Besuch beim Augenarzt. In der Regel rät er zu einer Lese- oder Spezialbrille, manchmal funktioniert es auch mit Kontaktlinsen. Der Augenarzt führt ausserdem wichtige Vorsorgeuntersuchungen durch, um Augenkrankheiten auszuschlies-sen, die zwar selten sind, aber ernsthafte Konsequenzen haben können.

Grauer Star und Glaukom
Wenn die Linse sich trübt, spricht man vom «grauen Star» oder Katarakt. Die Umgebung wird wie durch einen Schleier wahrgenommen, die Farben verblassen und die Kontraste werden immer schwächer. Weltweit gesehen ist der altersbedingte graue Star der häufigste Grund für Erblindung. Hierzulande lässt sich der graue Star mit einer Operation gut behandeln. Während dem kurzen und schonenden Eingriff wird die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt.

Eine weitere Augenerkrankung ist der grüne Star, besser Glaukom genannt. Meistens kommt das Glaukom durch einen erhöhten Druck im Augapfel zustande. Der Druck im Auge wird durch das Gleichgewicht zwischen Bildung und Abfluss des sogenannten Kammerwassers aufrechterhalten. Verschiedene altersbedingte Veränderungen können dazu führen, dass der Abfluss des Kammerwassers nicht mehr einwandfrei funktioniert und der Augeninnendruck ansteigt. Der erhöhte Druck verursacht Schäden am Sehnerv, sodass sich der wahrgenommene Bildausschnitt – das Gesichtsfeld – immer mehr verkleinert. Ein bestehender Schaden kann nicht mehr geheilt werden.

Regelmässiges Checkup ab 45
Die Altersweitsichtigkeit ist keine Erkrankung, sondern ein normaler Teil des Älterwerdens. Andererseits gibt es Augenkrankheiten, die mit zunehmendem Alter häufiger vorkommen als in jungen Jahren. Manche davon, wie das Glaukom beispielsweise, verlaufen lange Zeit ohne Beschwerden zu verursachen. Wird mit dem Besuch beim Augenarzt gewartet, bis Probleme mit dem Sehen auftreten, werden diese Krankheiten zu spät entdeckt. Die Zeit ist deshalb reif. Nicht für übermässige Sorge, aber für regelmässige Vorsorgeuntersuchungen. Fachleute empfehlen ab einem Alter von 45 Jahren regelmässige Augenarztbesuche in einem Abstand von eins bis zwei Jahren. Dabei werden unter anderem die Sehstärke, das Gesichtsfeld und der Augeninnendruck überprüft. Die Untersuchungen werden mit modernen Verfahren durchgeführt und sind schmerzfrei.

Trockene Augen
Weniger gefährlich aber sehr unangenehm sind trockene, brennende und tränende Augen. Durch die hormonellen Veränderungen in der Menopause und generell im Alter kann die Produktion von Tränenflüssigkeit nachlassen oder es ändert sich ihre Zusammensetzung. Die Tränen bestehen nicht nur aus purem Wasser, sondern aus drei Komponenten: einer Schleimschicht, einer wässrigen und einer fetthaltigen Lage. Die Schleimschicht «schmiert» das Auge, die wässrige befeuchtet und die fettige schützt die wässrige Schicht vor Verdunstung und Auslaufen aus dem Auge. Wenn sich die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit ändert, kann sie ihre Funktion nicht mehr richtig ausüben, und das macht sich rasch unangenehm bemerkbar.

Auch Medikamente können trockene Augen verursachen. Dazu zählen Mittel gegen hohen Blutdruck (Betablocker), Mittel gegen Allergien (Antihistaminika), Beruhigungsmittel, Antidepressiva und harntreibende Mittel (Diuretika).Trockene Augen lassen sich aber auch gut mit Tränenersatzmitteln – sogenannten «künstlichen Tränen» – behandeln. Es gibt sie rezeptfrei in der Apotheke. Bei schweren Symptomen eignen sich eher visköse und gelartige Ersatztränen, bei leichten Beschwerden sind Tropfen das Richtige. Bei längerer Anwendung sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Tränenersatzmittel keine Konservierungsstoffe enthalten.

Mit der richtigen Sehhilfe ausgerüstet, gut befeuchteten Augen und regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen steht Ihnen nun nichts mehr im Wege, auch in Zukunft mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Viel Spass beim Entdecken!

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